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Warum ich es schwer finde, Reihen zu schreiben

Gerade versuche ich mich das erste Mal an so etwas wie einer Reihe. Inzwischen scheint es kaum noch ohne zu gehen, egal, ob man sich bei den großen Verlagen, den Selfpublishern oder im Bereich Gay Romance umsieht.

Hat Figur A sein Liebesglück gefunden, kommt in Band 2 Figur B, der beste Freund, unter die Haube. In Band 3 geht es dann mit dem sexy Handwerker, der bereits in Band 1 nebenan eingezogen ist und für einigen Trubel gesorgt hat, weiter. Und da der sexy Handwerker zufällig drei weitere Single-Brüder hat, ist der Fortbestand der Reihe bis Band 6 vorerst gesichert.

Ich verstehe die Vorteile von Buchreihen – sowohl für den Autor als auch für den Leser. Ein vertrautes Setting, viele liebgewonnene Figuren, die Möglichkeit, jede Beziehungsgeschichte weiterzuerzählen, ohne eine direkte Fortsetzung machen zu müssen, jede Menge Fanservice und natürlich der Effekt, dass man im besten Fall wissen will, wie es weitergeht.

Keine Vorteile ohne Nachteile

Ich muss zugeben, dass es beim Schreiben meines derzeitigen Projekts ganz angenehm ist, auf bekannte Dinge zurückgreifen zu können, die ich nicht erklären muss. Dass ich Personen auftreten lassen kann, die ich nicht vorstellen muss, weil ich davon ausgehen kann, dass der Leser sie schon kennt.

Trotz dieser Vorteile stoße ich allerdings auch auf Nachteile, mit denen ich mich zum Teil schon bei der Fortsetzung von Eiskristall und Schlammgrube schwer getan habe.

Mein wohl größtes Problem ist, dass ich Angst habe, meine Figuren OOC zu schreiben. (Für alle, die ursprünglich nicht aus der Fanfiction-Ecke kommen: OOC = Out Of Character.) Dass sie sich nicht so verhalten, wie der Leser sie kennt, sondern anders. Für mich ist es ein großer Unterschied, ob ich in einer Figur drin stecke oder sie durch eine andere Person von außen betrachte – insbesondere, wenn zwischen den beiden Geschichten etwas Zeit verstrichen ist.

Wie viel Fanservice ist zu viel?

Die anderen Nachteile, die ich sehe, nehme ich vermutlich aus der Leser-Ecke mit. Bei manchen Reihen, die ich gelesen habe, war mir der Fanservice zu viel.

Eine lustige Feier, bei der alle bekannten Figuren auftauchen und Anekdoten aus vorherigen Bänden erzählen.

Noch eine witzige Szene, in denen auf den Eigenheiten und Verfehlungen der Figuren rumgeritten wird.

Noch ein zufälliges Zusammentreffen im Supermarkt, um zu zeigen, dass das Paar aus Band X auch noch nach einem Jahr zusammen einkaufen geht, immer noch auf die Kondome mit Erdbeergeschmack steht und nebenbei den Leser im Zeitraffer durch die jüngste Krise führt.

Die Hauptfigur des aktuellen Bands liegt im Krankenhaus? Natürlich müssen alle anderen vorbeischauen und detailliert berichten, was gerade in ihrem Leben passiert oder welche Ängste sie ausgestanden haben, weil sie der Unfall an einen Vorfall aus Band Y erinnert.

Natürlich ist es Geschmackssache, wann wem etwas zu viel ist – aber genau das macht es mir so schwer, bei meiner eigenen Reihe das richtige Maß zu finden, um weder zu langweilen, noch zu enttäuschen.

Ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende?

Und dann geht es noch um das Zuviel der Reihe selbst: Wann ist ein Universum „zu Ende erzählt“? Bis zum Weltuntergang theoretisch nie. Aber wie vielen Fernsehserien hätte es z.B. nicht geschadet, einfach zwei, drei Staffeln früher zu enden? (Ich weiß, Reihe und Serie ist nicht das gleiche, aber bei vielen Reihen zieht sich ja ein roter Faden durch die Storyline.)

Selbstverständlich steht auch hierbei der persönliche Geschmack im Vordergrund – aber wie gesagt: Genau das macht es so schwer, ein Ende zu finden. Theoretisch könnte man mein anfängliches Beispiel mit dem sexy Handwerker beliebig erweitern. Es gibt immer noch irgendwo einen Freund, der jahrelang im Ausland war, einen verschrobenen Cousin, den keiner so richtig leiden kann, oder einen neuen Arzt, der den alteingesessenen Doktor ersetzt.

Lose Verbindungen vs. enge Bande

Was mir auch Probleme bereitet, ist die Sache mit der Reihe an sich. Eigentlich sollte man so schreiben, dass der Leser Band 8 lesen kann, ohne die vorherigen sieben Bände gelesen haben zu müssen. Aber ist es dann für alle anderen Leser, die jeden Band gelesen haben, nicht furchtbar langweilig, so viele Wiederholungen zu lesen?

Wie stark verknüpft man die neuen Figuren mit den alten? Müssen beim jährlichen Dorffest wirklich alle sechzehn Paare auftauchen und einen Satz sagen, nur um keinen zu benachteiligen? Sind die Leser enttäuscht, wenn nur ein einziger der vorherigen Figuren einen kurzen Auftritt am Telefon hat, und die Namen ansonsten höchstens in einem Nebensatz fallen? Versteht man die Beziehung zwischen Figur A und B, wenn ich nicht noch mal in aller Ausführlichkeit schreibe, wie viel sie schon gemeinsam durchgemacht haben?

Im Moment stelle ich mir bei jeder Szene meines aktuellen Projekts, die eine Verbindung zu Band 1 enthält, diese Fragen. Das macht es nicht unbedingt einfacher, diese Szenen zu schreiben, weil ich immer Angst habe, dass es zu viel … oder eben zu wenig ist.

Wie gehst du mit solchen Fragen um? Als Leser und/oder ggf. als Autor? Wo siehst du Schwierigkeiten beim Schreiben von Reihen, wo überwiegen für dich die Vorteile? Was nervt dich beim Lesen einer Reihe, worauf würdest du auf gar keinen Fall verzichten wollen?

Das Beitragsbild stammt von geralt von pixabay.com

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